9. TAG – von unser Frau nach Meran 

Frühstück gab es zwar erst ab halb Acht, mit der Rezeption hatte ich jedoch gestern noch einen Deal gemacht.
Ich konnte noch am Abend Auschecken und um kurz nach 7:00 Uhr beim Frühstück Aufschlagen.

Und so hatte ich das – bereits fast komplett aufgebaute – Buffet für mich alleine.
Brötchen, Wurst, Käse, Müsli – alles was das Herz begehrte. Leider gab es kein Rührei – das hätte mir noch gefehlt.
Nach dem Frühstück bin ich pünktlich zur Bushaltestelle – die zusätzlichen 3 Stunden hätten mich heute auf 13 Stunden reine Laufzeit gebracht und das war dann doch etwas zu heftig.

Der Bus kam pünktlich und eine Haltestelle später stieg doch tatsächlich die Truppe, die ich 2 Tage zuvor am Pitztaler Jöchel getroffen hatte ein.
Ok sie erkannten mich nicht mehr und so hatte ich meine Ruhe.
Aus den Gesprächen erfuhr ich, dass sie auf jeden Fall bis Meran laufen wollten – alles andere sei für Luschen.
Knapp 20 Minuten später – der Bus fuhr z.T. durch Sträßchen die ich nicht mal mit dem Auto geschafft hätte, so eng waren die – kamen wir in Giggelberg an.

Ich machte mich schnell auf weiter zu kommen und 15 Minuten später war die Truppe hinter mir nur noch ein kleiner Punkt in der Ferne.
Ruhe!!!
Unterwegs war ich nun auf Feldwegen und kam an einigen Almen vorbei.
Da es noch recht früh am Morgen war, hatten die Almen die ganzen Wassersprinkler eingeschalten, welche die Wiesen gossen.
Teiweise waren sie in Reihe geschaltet und kreisten zwischen den unteren Wiesen, meinem Weg und den oberen Wiesen.
Dabei kam ich mir ein bißchen wie Indiana Jones vor – statt Nagelfallen wich ich dabei eben dem Wasserstrahl aus…
Abenteuerurlaub eben!

Teilweise führte mein Weg regelrecht durch die Almen.
Ich musste teilweise genau hinschauen, wo der Weg weiter ging bzw. welches Gatter weiter führte.
An einer Alm machte ich erstmal das Gatter zu den Hühnern auf. Dies kam mir dann doch etwas komisch vor und ich entdeckte gleich nebenan ein weiteres kleineres Gatter, welches an der Haustüre vorbei, durch den Hof auf den nächsten Felweg führte.
Die Hühner nahmen meine Entschuldigung an und pickten fröhlich weiter ihren Mais auf.

Der Weg ging ständig auf und ab – allerdings war es nicht sehr anstrengend.
Nach knapp 2 Stunden sah ich das erste mal Meran in der Ferne auftauchen.
In 8 Stunden sollte ich da sein – 8 Stunden! Irgendwie hatte ich plötzlich keine richtige Lust mehr – aber wat mt dat mut…

Es kam eine richtig tolle Hängebrücke. Diese war nicht gerade lang – nach unten jedoch ging es recht weit. Leider war sehr viel Schatten in der Schucht, so wurden die Fotos nicht so toll. Die Tiefe kann man auf den Bildern allerdings eh nie so richtig erkennen.
Vor Ort hat man immer den echten WOW-Effekt.

Nach insgesamt knapp 3 Stunden erreichte ich die sogenannte 1000 Stufen Schucht.
Sollte jemand Treppenstufen mögen, so wird er hier geheilt.
Es ging – wie der Name schon sagt – durch eine Schlucht.
Und hier gab es Stufen – nach unten, nach oben und selbst in der Ebene hatte ich das Gefühl auf Stufen zu laufen.
Breite Stufen, schmale Stufen, kam mehr vorhandene Stufen, Doppelstufen…
Teilweise sogar mit Geländer oder auch mit Ketten oder Seilen zum Festhalten.
Es kam eine recht hohe Metalltreppe – von unten sah man oben nur den blauen Himmel.

Unterwegs kam noch ein Wasserfall und kurz danach wieder Treppen.
Sie hörten nicht auf und ich kann nicht genau sagen wie lange ich Treppen gestiegen bin.
Es kam mir vor wie Stunden…!

Als ich durch war, musste ich erstmal Pause machen.
Einen Müsli-Riegel hatte ich mir verdient – genau so wie den Apfel, welchen ich schon mehrere Tage mit mir herumschleppte.
Es kamen mir einige Leute entgegen.
Einer fragte mich ob die Schlucht lang und schwer wäre.
Ich meinte, dass es schon anstrengen werden könnte. Er machte sich Sorgen, ob seine Tochter das schaffen würde.
Bestimmt – meinte ich.
Er lief langsam weiter und es folgten Mutter und Tochter – die Tochter konnte ich von weitem schon Nörgeln hören.
Tja dann mal viel Spaß – der Tag ist noch lang…

Auf gehts – auf mich warteten nun noch etwas über 5 Stunden bis zum Ziel.
Der Weg führte weiter durch einen Nadelwald, bis ich schließlich wieder auf Wiesen kam und schießlich in Giggelberg landete.
Dies war das eigentliche Etappenziel für die heutige Etappe – da ich aber heute noch nach Meran wollte musste ich weiter.
Zuerst jedoch war nochmal Pause angesagt.
1 Liter Johannes-Schorle später führte mein Weg zur Texelbahn – einer Seilbahn.
Mit dieser wäre ich ratz fatz in Meran gewesen – aber neee Laufen war angesagt!

Es ging zuerst auf einem Fahrweg und schließlich durch einen Wald weiter.
Mir kam eine Wandergruppe bestehend aus älteren Herrschaften entgegen, welche sie erkundigten, ob es noch weit bis zur Seilbahn wäre.
Ich sagte, dass ich bergab ca. 10 Minuten gebraucht hätte. Auf einem Schild ein paar Meter weiter würde stehen, dass es 40 Minuten dauern würde.
Merkwürdig – Naja so abgehetzt wie einige der Herrschaften aussahen könnte das Schild evtl. doch Recht haben.

Der Wald ging in eine Mischung aus Wiese mit hohen Büschen über – leichtes Indiana Jones Feeling kam wieder auf.
Die Strecke war durchweg im Schatten und der Boden dafür recht glitschig da kaum Sonne auf den Weg gelangen konnte.
Also musste ich etwas vorsichtiger sein – meine Stöcke waren schließlich neu…

Mein Weg ging immer Richtung Partschins.
Einmal war ich dann doch auf dem falschen Weg – den Richtigen gab es auf meiner Karte nicht.
Nach einem kleinen Querfeldein bzw. Querwaldein kam ich wieder auf den richtigen Weg.
Z.T. wäre eine Machete angebracht gewesen.

Eine Stunde nach der Texelbahn war ich wieder in der Zivilisation angekommen.
Nach einem kurzen Spaziergang auf der Straße bog ich auch schon wieder in einen Wald ab.
Hier waren in größeren Abständen Sagen an den Bäumen angebracht und man konnte Raten, ob diese stimmten oder auch nicht.
Nur wo die Lösungen zu finden waren erschloss sich mir nicht so ganz – naja egal weiter…!

Ich kam auf den Partschinser Waalweg, welcher mich durch Apfelplantagen und Weinberge führte.
Immer weiter bergab und Meran meist rechts in meinem Blickfeld.
Es sah zwar nah aber trotzdem recht fern aus.
Ein Lokal namens „Konrad“ hatte heute leider seinen Feiertag – Wasser konnte ich trotzdem nochmal Auffüllen.
Auf dieser Etappe war wieder viel Trinken angesagt – klar es lag auch am recht heißen Wetter.

Wieder kam eine Hängebrücke und danach gleich eine Straße. Diese musste ich entlang und kam schließlich auf den Tappeiner Weg.
Die nächsten – und letzten 6km – lief ich nun auf der Passegiata Tappeiner Promenade.
Rechts immer den Blick nach Meran runter. Es kamen mir mehrere Jogger und Familien mit Kind und Kegel entgegen.
Die Zivilisation hatte mich wieder.

Die Prommenade war echt nett – links immer Bäume und ein künstlich angelegter Bach – rechts Meran.
Nach den 6km kam ich direkt in Meran auf der Piazza Duomo heraus.
Ok das klingt jetzt größer als es war.
Ich würde mal sagen im Hinterhof der Kirche kam ich an.

Geschafft – ich war in Meran.
Von Deutschland über Österreich nach Italien.

Nicht dass es vor Ort jemanden interessierte – bin ich trotzdem mit einem breiten Grinsen Richtung Hotel gelaufen.
Knapp 15 Minuten später war ich da.

Was ich ganz vergessen hatte war, dass ich hier ein 4Sterne Horel gebucht hatte.
Und so stand ich nun dreckig und veschwitzt mit meinem Rucksack vor dem Palast.
Das Hotel war schon etwas in die Jahre gekommen. Innen viel Teppiche und vergoldetes Allerlei.
Der Empfang an der Rezeption war sehr nett – mein Aussehen konnte ich dem Gesicht der Rezeptionistin jedenfalls nicht Ansehen.
Sehr lustig fand ich den Aufzug – Baujahr 1956 und innen komplett mit Teppich/Stoff verkleidet.

Mein Zimmer war unterm Dach – und genau so warm wurde es dann auch.
Klimaanlage gab es damals nicht und heute leider auch nicht.

Nach dem Einchecken bin ich noch kurz um den Block und habe mir noch eine Pizza besorgt.
Google meinte da wäre eine sehr leckere in der Nähe, was auch stimmte!

Ein bißchen TV und Wlan und schon war ich eingeschlafen – ok der Tag war auch lang und der Weg weit!