2. Tag – von der Kemptner Hütte zur Memminger Hütte 

​Schlecht geschlafen habe ich heute Nacht echt gut. 

Gefühlt hatte ich überhaupt nicht geschlafen. 

Trotzdem war ich recht fit und bin gegen 6:30 Uhr ausm Lager gekrochen.

Rechts und Links von mir wurde noch fleißig gemurmel. 

In der Sanitären Anlage war bereits die Hölle los und Anstehen angesagt. 

Nachdem ich fertig war, wagte ich einen Blick Richtung Frühstück – die Schlange war jedoch so lang, dass ich beschloß nicht auch noch anzustehen.

Stattdessen holte ich mein Zeug ausm Lager, loggte noch den Cache hinterm Haus und machte mich auf den Weg Richtung Mädelejoch auf 1974 Metern.

Außer mir waren bereits schon sehr viele unterwegs und es kam an und an zu volligem Stillstand – ein bisschen wie Montags auf der A3.

Oben angekommen erblickte ich auch sofort das gelbe Grenzschild, welches mich auch das Verlassens Deutschlands hinwies. 

Ich war von nun an in Österreich – genauer in Tirol.

In der Nähe des Schildes wartete noch ein Geocache auch mich. 

Und dabei konnte ich mir alle Zeit der Welt lassen, da sich für ein Foto mit dem Grenzschild bereits eine Schlange gebildet hatte. 

Eine recht spaßige Gruppe hatte sogar eine Drohne dabei und machte munter Videoaufnahmen – und ich bin immer der Meinung unnötiges Zeug mit herum zu schleppen… 

Ich sparte mir zuerst mal die Frage nach dem Video (auf welchem ich auch recht gut zu sehen sein müsste) da wir uns abends auf jeden Fall die selbe Hütte teilen würden. 

Nachdem ich dann auch ein Bild vom Schild (ohne fremde Leute) machen konnte, ging es nur noch bergab. 

Von den 1974m auf 1066m.

Ich kam am sehr schönen Roßgumpenwasserfall vorbei und war schließlich am Café Uta.

Hier hatte ich die Wahl über den Simms-Wasserfall oder über Österreichs längste Seilhängebrücke zu gehen. 

Kurzer Hand entschloss ich mich für beides. 

Zuerst bog ich rechts ab und war nach ca. 400 Metern bergab beim Wasserfall. 

Ok den Roßgumpenwasserfall fand ich schöner. 

3-4 Fotos später gings dann wieder zurück, um nun nach links zur Hängebrücke zu gehen. 

Hier angekommen war schon recht viel los. 

Einige kamen recht blass über die Brücke.

Naja wie auch immer – nix wie rüber. 

Obwohl das Objekt recht stabil aussah, war es eben doch eine Hängebrücke und nach dem ersten Drittel fing es schon recht stark zu Schaukeln an. 

In der Mitte hatte man einen Blick in über 100 Meter Tiefe. 

Der Wahnsinn. 

Man konnte senkrecht durch den Gitterboden schauen. 

Plötzlich tauchte neben mir die bekannte Drohne auf. 

Ich freute mich schon auf ein zweites Video. 

Die Drohne flog in einem Affenzahn an mir vorbei und knallte voll in die Felswand. 

Von der anderen Seite erklang fieses Gelächter. 

Tja somit hatte sich meine Frage nach dem Video auch erledigt. 

Ohne sich Abzuseilen kam man an die Drohne definitiv nicht ran. 

Nach dem Schreck schwankte ich weiter munter über die Brücke. 

Danach ging es weiter runter ins Tal, bis ich Holzgau erreichte. 

An hier bot sich die Möglichkeit per Bus/Taxi zur Materialseilbahn der Memminger Hütte zu fahren. 

Die übervolle Haltestelle konnte ich von weitem sehen. 

Ich jedoch entschied mich zu Laufen…

…13km und laut Wanderführer starke 4 Stunden müsste doch zu schaffen sein! 

Und der Weg zog sich und zog sich. 

Es gab kam was gescheites zu sehen.

Nach der Hälfte des Weges beschloß ich über die Alternative den Herminen Höhenweg zu gehen. 

Zuerst durfe ich über den Alperschonbach, welcher sich tief unter mir in einer sehr tollen Klamm dahin schlängelte.

Eine Stunde später kam ich wieder auf den normalen Weg. 

Starke 3km weiter kam endlich die Materialseilbahn der Memminger Hütte in Sicht. 

Außer mir waren noch 4 weitere Wanderer zugegen. 

Es bestand die Möglichkeiten den Rucksack mit der Materialseilbahn nach oben transportieren zu lassen. 

Ich wollte gerade den Transport ankündigen, als und auffiel, dass nur bis 16:00 Uhr ein Transport möglich wäre. 

Sch*** den Rucksack nun noch 800 Meter hochschleppen ging nicht mehr. 

So rief ich trotzdem an. 

Das vorhandene Telefon war wirklich Old-School. 

Es gab ne Kurbel, welche man 3 mal Drehen sollte und dann mit der Hütte verbunden war. 

Nach kurzem Gespräch mit dem Hüttenwirt fasste er sich ein Herz und ließ die Seilbahn nochmal runter kommen. 

Nach 15 Minuten war sie da, wir packten unsere Rucksäcke rein und spannten eine Plane drüber. 

Ein erneuer Anruf auf der Hütte und der Wirt wusste Bescheid, dass alles bereit für den Transport war. 

Nun hieß es aber nix wie hoch. 

800 Meter und laut Wanderführer 2 Stunden. 

Anfangs lief es noch recht gut – doch die vergangenen 9,5 Stunden hatten mit doch ziemlich zugesetzt. 

Schritt für Schritt dem Ziel entgegen hatte ich zwar meine Stöcke mitgenommen – doch mein Wasser war im Rucksack. 

Irgendwann zur Halbzeit kam ein schöner (klarer) Wasserfall.

Und das Wasser schmeckte recht gut. 

Nach dem zehnten Schluck bemerkte ich ein recht auffälliges Schild:

„KEIN TRINKWASSER“ 

Ups – ähhh – ja. 

Ich unterbrach ganz spontan und schleppte mich weiter den Berg rauf. 

Ja mir Wandern hatte es mittlerweile wirklich nichts mehr zu tun. Und wenn ich noch daran denke meinen Rucksack Schleppen zu müssen – no way!

Aus den angepeilten 2 Stunden wurden 2,5 (obwohl es mir viel länger vorkam).

Schließlich kam ich um die Kurve und erblickte die Hütte.

Das Ziel war in Sicht. 

Doch ein jetzt aber schnell hin war nicht. Murmeltiere hielten mich davon ab. 

Die kleinen Racker sind aber auch immer zu süß. 

Das Gute an den Kleinen war, dass ich schließlich nicht komplett keuchend und röchelnd auf der Hütte ankam sondern schon mal etwas verschnaufen konnte.

Als ich mich anmeldete, bemerkte ich, dass ich mein spätes Kommen nicht angemeldet hatte und mein Schlafplatz nun weg ist.

Ich sollte um 20:00 Uhr wieder kommen. Da hätten sie einen Schlafplatz für mich.

So wollte ich nun endlich mal was Essen. 

Tja zu Essen gab’s auch nichts mehr – bis auf das Bergsteigeressen.

Das ist ein Essen, welches die Huttenpächter auf jeden Fall anbieten müssen. Der Preis muss auf allen Hütten der Selbe sein.

Ebenso gibt es ein Bergsteigergetränk, welches zu einem bestimmten Preis angeboten werden muss. Hierbei handelt es sich um Wasser mit einem Schuss Sirup.

Bei Beiden verdient der Hüttenwirt nichts oder kaum was. 

Und bei der „Freundlichkeit“ die hier herrschte war mir das auch recht egal. 

Mein Bergsteigeressen war ein Auflauf Marke „Allerleiwasnochdawarundwegmuss“.

Ich fand Kartoffeln, Wurst, Gemüse und irgendwas fluffiges das Ganze überbacken mit nem recht strengen Käse. 

Eine Mischung aus „der Hunger treibt’s rein“ und „ich übergeb mich gleich“ stelle sich ein. 

Letzteres jedoch nur wegen dem Käse – diese ganz strengen sind nix für mich.

Nachdem ich trotzdem alles artig aufgegessen hatte – ich hatte ja auch nen Bärenhunger – bin ich wieder zur Theke um nun meinen Schlafplatz zugeteilt zu bekommen. 

Da ich vor Monaten schon reserviert hatte, gab es ein Einsehen und ich bekam ein Zustell-Not-Bett im nem 4er Zimmer bei einer lustigen Truppe.

Wir luden alle die Handy Powerbanks etc an meinem extra bestellen Mehrfach USB Ladegerät. 

Vom letzten Mal wusste ich ja noch, dass es neben Wasserknappheit definitiv Steckdosen-Mangel gibt. 

Die Vier baten mich morgen gegen 5:30 Uhr Aufstehen zu dürfen – mit sämtlichen Nebengeräusche. 

Kein Problem, wollte ich doch möglichst auch flott los, da mich ja 2 Etappen auf einmal erwarteten…

Gegen 21:00 waren wir bereits im Schlafmodus.