1. Tag – von Oberstdorf zur Kemptner Hütte 

Heute war es endlich soweit.

Alpenüberquerung 2.0

Naja oder so ähnlich.

Im Vergleich zu München – Venedig ist die Strecke dieses mal erheblich kürzer und wird somit auch gerne von Bergschulen etc. nach dem Motto „Der E5 in nur 6 Tagen zu Fuß über die Alpen“ angeboten.
(E5 ist übrigens die Bezeichnung des Wanderweges – Europäischer Fernwanderweg.)
Jo mach ich auch – allerdings dauert es bei mir wieder mal etwas länger.
Die Strecke Oberstdorf – Meran – Bozen.
Ich will versuchen möglichst auf Bus, Bahn etc. während der Strecke zu Verzichten.
Außerdem möchte ich über den Kaunergrat laufen und damit auf eine 30km Busfahrt im Pitztal verzichten.
Schließlich geht’s dann wieder zurück auf den E5 um ihn am selben Tag auch wieder zu Verlassen und Richtung Meran zu Laufen.
Nach Meran geht’s wieder zurück auf den E5, welcher mich zu meinem endgültigen Ziel – Bozen – bringt.
Soweit die Planung.

Um 7:30 fuhr mein Zug und Angela brachte mich artig zum Hanauer Bahnhof.
Die Reise führte mich über Ulm und Kempten (im Allgäu) nach Oberstdorf.
Ankunft gegen 12:30 und das sogar pünktlich.
Im letzten Zug stiegen sehr viele mit z.t großen Rucksäcken ein.
Mir schwante schon schlimmes.

Ich lief durch Oberstdorf, an den Sprungschanzen vorbei zum Ladeplatz der Gleitschirmflieger.
Einen konnte ich sogar bei der Landung beobachten.
Sie – es war ein Tandemflug – landeten sogar auf den Füßen.
Weiter gings, zum Teil durch Wald aber auch öfters durch offenes Gelände, wo es recht heiß war.
Unterwegs erwischte mich noch ne Bremse und mein Handgelenk schwoll sofort an.
Zum Glück hatte ich eine Salbe dabei.  Nach ca. 3 Stunden sah man nur noch die Einstichstellen.
Es ging immer am Flussufer entlang.
Auf dem Weg kamen reichlich Einkehrmöglichkeiten, wovon ich aber keine nutze. Schließlich hatte ich meinen neuen Trinkrucksack bzw. Trinkblase dabei.
Eine tolle Erfindung.  So muss ich meinen Rucksack nicht immer Absetzen und die Flasche rauskramen.
Es war übrigens das Tretachtal, durch welches ich lief.
Sehr hübsch – der Weg war gesäht von alten Ahornbäumen.
Ich kann zum türkisblauen Christlessee auf 920m Höhe.
Das bedeutet, dass ich in einer starken Stunde tatsächlich 106 Höhenmeter gemacht hatte.
Drum war ich auch noch so fit…
Weiter gings auf einem Teerweg in die Spielmannsau, welcher aber rasch wieder zu einem Wanderweg wurde.
Von hier hatte ich einen tollen Blick in das Trettachtal mit den Gipfel des Trettach und seinen 2595m Höhe.
Die Straße wurde schmaler und endete wohl an der Materialseilbahn der Kemptner Hütte – meinem heutigen Tagesziel.
Leider habe ich die Seilbahn übersehen – man kann wohl seinen Rucksack für 4 Euro auf die Hütte transportieren lassen.
Im Nachhinein wäre das ein super Ding gewesen.
Irgendwie habe ich zu viele Müsliriegel dabei und der Rucksack ist zu schwer.
Nach einer kleinen Brücke auf 1310 Metern ging es im ZickZack durch ein Waldstück nach oben.
Ich keuchte, schwitze und fluchte – warum tu ich mir das nur an?
Eine willkommene Ablenkung waren die vielen Whatsapp-Nachrichten meiner Kolleg(inn)en, die mir zum 25. Dienstjubiläum gratulierten.
So hatte ich immer einen Grund stehen zu bleiben hihihi…
Nach den vielen Kehren kam ich in das Bachbett des Sperrbachtobels – der wildesten Lawinenschlucht des Allgäus.
Rechts von mir war der Blick in die Schlucht und links die Felswände, an welchen in unregelmäßigen Abständen das Wasser herunter lief.
Zum Teil war der Weg überspült – es war zum Glück nicht allzu rutschig.
Meine Stöcke leisteten tolle Arbeit.

Recht fertig kam ich an der Kemptner Hütte an.
Mein Bett ist im Matratzenlager – 6 in einer Reihe (ich in der Mitte).
Naja ich werde mir schon Platz Freischnarchen.
Obwohl ich meinen linken Nachbarn schon erlaubt habe mich zu schubsen falls meine Baumstämme zu dick sein sollten.
Zu Essen gab’s Leberkäse mit Kartoffelsalat.
Geschmeckt hat es super – wenn der Kartoffelsalat vermutlich aber aus dem Einer war.
Die Anstrengung und der Hunger treiben es eben rein.
Nach dem Essen bin ich noch zum 4.Masten der Materialseilbahn gelaufen – dort sollte Handyempfang sein.
Naja war doch nicht – auch die Kollegen hatten kein Netz.
Ich hatte noch versucht Rauchzeichen zu geben – klappte auch nicht. Gab nur nen Waldbrand.
Nein Spaß – wollte nur mal Testen ob hier auch aufmerksam gelesen wird…
Schließlich tippe ich den ganzen Stuss hier aufm Handy.
So jetzt ist mein rechter Bettnachbar auch angekommen.

Gute Nacht und Augen zu.

Ach ja heute waren es übrigens +1065hm und -63hm (die Letzteren habe ich übrigens sehr genossen…)